Berge, Klettern, Wandern, Klettersteig, Umweltschutz


Nun gesperrt: die Nonne
 
 

Nun ist es soweit:

Landkreis sperrt
Knubbelwand & Co. 

Jetzt ist es amtlich: der Kreistag hat am 8.11.2017 über die seit 7 Jahren diskutierten Vorlagen zum FFH-Gebiet "Reinhäuser Wald" befunden und eine Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet verabschiedet, die wichtige Kletterfelsen der Region sperrt, das bundesweit erfolgreich umgesetzte Zonierungskonzept verwirft und das Bouldern überraschend pauschal verbietet. Zuvor war die Vorlage im Umweltausschuss des Landkreises Göttingen mit 6 gegen 3 Stimmen durch SPD und Grüne gebilligt worden. Die offizielle Endfassung der Verordnung kann im Veröffentlichungsblatt des Landkreises nachgelesen werden. Die Einträge im DAV Felsinfo werden wir in den nächsten Wochen an die geänderte Rechtslage anpassen, die Einträge in der Galerie Göttinger Wald hat der AKN (nicht der Landkreis) bereits korrigiert.

Die SPD hatte zuvor den Schutz von Brutstätten auf den in anderen Verordnungen Niedersachsens bereits etablierten Brutzeitraum eingeschränkt. Die Erfahrungen in den Nachbarkreisen zeigen, dass sich Wanderfalke und Uhu mit jahreszeitlichem Kletterverbot zufrieden geben. Auch andere kleine Änderungen wurden noch eingearbeitet. Dann wurde die Vorlage mit den Stimmen von SPD und Grünen im Ausschuss verabschiedet. Die CDU stimmte dagegen. Aus der vorangegengenen Diskussion war zu entnehmen, dass die Ablehnung im Wesentlichen auf der Kritik an der Schlechterstellung der Forstwirtschaft beruht. Durch weitere Enthaltungen fand der Entwurf im Ausschuss lediglich eine relative Mehrheit.

Wie wird die neue Rechtslage nun gelebt werden? Nach den Buchstaben der Verordnung darf kein Kind mehr den Jägerstein anfassen. Damit ist klar, dass diese Rechtsnorm eine ordentliche Grauzone hinterlässt. Auch die in der Verordnung erwähnte Beschilderung ist in sich widersprüchlich, denn einerseits weisen die zu verwendenden Schilder auf Zonengrenzen hin, andererseits gibt es keine Zonierung mehr. Laut Verordnung ist die untere Naturschutzbehörde für die Anbringung der Schilder verantwortlich. Werden die Pfeilschilder (links klettern! oder rechts klettern!) nun an den verbotenen, an den erlaubten oder gar nicht angebracht? Im Vorfeld hatte der LK schon Schwierigkeiten, die Felsen überhaupt zu finden und sich damit zur Karrikatur seiner Ordnungsziele gemacht. Neben den überwiegenden Beschränkungen hinterlässt die VO auch kleine Freiräume: so fällt z.B. die Zonierung am Quacken, am 1. Zwerg und an der leichten Wand weg. Wer hier oder an anderen in der VO freigegebenen Felsen (z.B. am 1. Hintermann) ein lohnendes Routenprojekt findet, wird vom AKN unterstützt.

Bereits aus den zum Beteiligungsverfahren veröffentlichten Dokumenten geht hervor, dass mehrere Eingaben den vorliegenden Entwurf für rechtswidrig halten. Auch der DAV Landesverband Nord hat erhebliche Bedenken gegen die verabschiedete Fassung, die deutlich von der im Juli zu Beginn des Beteiligungsverfahrens veröffentlichten Version abweicht. Einige Details des derzeitigen VO-Entwurfs:

  • Bouldern wird verboten. Das Klettern ohne Hilfsmittel wird erstmals so erwähnt (und zwar ohne Beteiligungsverfahren)
  • Erstmals in Niedersachsen wird das Zonierungskonzept verworfen, entgegen einer Empfehlung des niedersächsischen Landtags
  • 8 Felsen, die laut Klettervereinbarung 2006 bisher freigegeben sind, fallen weg: Nachbarkanzel, Kavernenwand, Wellenwand, Gnom, Eisenwand, Koloss, Wampe, Knubbelwand. Die letzten 4 sind mit Bohrhaken ausgerüstete und zum Teil recht beliebte oder klettersportlich überregional bekannte Felsen. 
  • 9 von 37 neu untersuchten Felsen kommen hinzu. 5 davon sind Türme: Weihnachtsturm, Grüner Klapptisch, Statist, Zufallsscheibe, Champion. Diese werden bekanntlich aus kletter-ethischen Gründen nur traditionell und damit sehr wenig beklettert und nicht mit Haken abgesichert.
  • 4 weitere sind: Rechte schwarze Wand, Freie Klippe Steinbruch, Zeltplatzwand und Erster Hintermann. Die letzten 3 davon sind zur Zeit noch offen, weil sie nicht im Geltungsbereich der Klettervereinbarung 2006 liegen.
  • Sehr viele weitere Felsen, die seit Januar 2016 offen sind, fallen weg. Es seien hier nur mal die bedeutendsten aufgezählt: Winterklippe, Freie Klippe, Versteckte Wand, Campingfels, Zyklopenwand, Scholle. Viele von diesen Felsen sind bereits erschlossen und klettersportlich - wenn auch sparsam - ausgerüstet.
  • Einige der schönsten Türme im Saugrund fallen weg: Teufelsturm, Engelsturm, Lettenwand, Kasten.
  • Durch die wegfallende Zonierung werden Neutouren an bisher zonierten Felsen möglich, z.B. an Zwergen, Echsenwand, Quacken

Es gibt unter dem Strich deutlich stärkere stärkere Einschränkungen, als noch im Juli 2017 befürchtet und vor allen gegenüber dem Rechtsstatus zwischen Januar 2016 und November 2017, aber auch gegenüber der Klettervereinbarung von 2006. Ob die Sperrung beispielsweise des Teufelsturms dem Naturschutz nützt, verrät ein Blick ins Gipfelbuch: 3 Einträge pro Jahr ... Selbst wenn sich nur jeder 10te einträgt, was eine sehr sehr vorsichtige Schätzung ist, - macht es Sinn den Besuch von maximal 30 Personen im Jahr per Verordnung zu regeln? Andere Sperrungen tun hingegen auch angesichts der Besucherzahlen weh. Häufig ist nicht einmal der Naturschutz maßgebender Grund, sondern der Kulturdenkmalschutz. Viele klettersportlich interessante Felsen wurden gar nicht untersucht, weil sie Abri haben und in der Nähe einer Fundstelle liegen, z.B. die Großmutter. Eine nachvollziehbare Argumentation, warum manche Felsen freigegeben sind, andere aber nicht, fehlt beim Kulturdenkmalschutz leider völlig.

Apropos Sandstein: Im gesamten Landkreis Göttingen geht es immer wieder um Einschränkungen der Klettermöglichkeiten.

Chalk sparen!

Dabei kann jeder Nutzer seinen Beitrag leisten und die Felsen so nutzen, dass keine Notwendigkeit für restriktive Regelungen besteht: Ohne Verkehrsbehinderung parken, vor Einbruch der Dunkelheit den Wald verlassen, beim Zustieg möglichst die vorgesehenen Wege benutzen, natürlich nichts liegen lassen und kein Feuer machen. Hunde bitte anleinen, wenn sie streunen. Nach Auskunft des zuständigen Hegering-Leiters ist der Stress, dem das Wild ausgesetzt ist, übrigens höher, wenn sich potentielle Jäger lautlos anschleichen. Geräusche in Maßen darf man also produzieren ... Und ja, das Chalk-Thema: bitte sparsam verwenden und nach Möglichkeit hinterher entfernen!  

 

Zurück zur Startseite

Tauerncross


Frederik

Moin, Ich bin 24 Jahre alt und komme aus Darmstadt. Ich bin auf der suche nach einem/er Kletterpartner/in für den Fels. gerne ...

Dienstag, 07. November 2017 13:38